Indikationen

Eine Gastrocnemius Durchtrennung ist bei Patienten mit einer Anspannung des äusseren Wadenmuskels (Gastrocnemius Muskel) und bei welchen eine konservative Therapie nicht angeschlagen hat, angezeigt. Diese Verkürzung des Gastrocnemius wird auch Achillessehnen-Kontraktur genannt. Sie wird nach der „Knöchel-„position bei Pferden (Spitzfuss), welche hinunterzeigt, in schweren Fällen als Spitzfuss benannt.

Die Gastrocnemius Spitzfuss Kontraktur ist dadurch charakterisiert, dass das obere Sprunggelenk (Knöchel) nicht über die Neutralposition (Rechter Winkel vom Fuss zum Unterschenkel) hinaus bewegt werden kann (Abbildung 1). Meistens „kompensieren“ Betroffene natürlicherweise und unbewusst eine solche Kontraktur, indem sie eine grössere Beweglichkeit im Gelenk vor dem Knöchelgelenk (das quere tarsale Gelenk-Abbildung 2) haben. Viele dieser Kontrakturen sind nur leicht und die Patienten ohne Beschwerden. Die Kompensation im Mittelfuss führt jedoch zu wiederholter Krafteinwirkung während des Gehens und Stehens, auf unterschiedliche Strukturen im Fuss. Deshalb kann eine Gastrocnemius Spitzfuss Kontraktur zu unterschiedlichen Problemen im Fuss führen, wie die Plantare Fasciitis, Plattfuss oder Metatarsalgien (Schmerzen im Bereich der Mittelfussknochen) führen. Oft kann ein Unterschenkel-Dehnungsprogramm (mit dem Knie gestreckt) als nicht-operative (konservative) Behandlung die Beschwerden mindern. In gewissen Fällen ist aber eine Operation (oft mit anderen Verfahren kombiniert) angezeigt.

Gastrocnemius Versteifungen entstehen wahrscheinlich aufgrund von:

  • Eine vererbliche Prädisposition (unsere Vorfahren hatten eine solche Versteifung)
  • Altern, wobei die Muskeln langsam versteifen
  • Krankheiten, wie Diabetes, wo die Muskeln versteifen
  • Immobilisation nach einer Knöchel- oder Fussverletzung – vorallem wenn der Knöchel in einer Spitzfuss (abwärts) Position geschient wird

Abbildung 1: Der Fuss erreicht den Rechtenwinkel zum Unterschenkel bei gestrecktem Knie NICHT
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Abbildung 2: Knöchelbewegung ÜBER die Neutralposition hinaus, durch Kompensation vor dem Knöchel
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Vorgehen

Obwohl es viele Arten gibt um eine Gastrocnemius Rezession durchzuführen, benötigen alle eine Freilegung der Gastrocnemius Sehne, damit der Muskel verlängert werden kann. Normalerweise wird ein Schnitt innen an der Rückseite des Unterschenkels gemacht (Abbildung 3), um die Gastrocnemius Sehne freizulegen. Dann wird sie befreit und entweder zum Heilen belassen oder mit dem darunterliegenden Gewebe vernäht um in der neuen verlängerten Position zu verweilen. Dies verlängert den Wadenmuskel. Die Patienten werden nun die selbe Beweglichkeit des Knöchels bei gestrecktem Knie haben, wie zuvor bei gebeugtem Knie. Nachdem der Muskel verlängert wurde, wird die Wunde verschlossen.

Abbildung 3: Typische Lokalisation für den Schnitt an der Wade (gepunktete Linie)
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Erholung

In den ersten 2-6Wochen ist der Patient in einem Gipsschuh, einer Gehorthese oder ähnlichem. Wichtig ist, dass der Fuss in einem rechten Winkel zum Unterschenkel gegipst oder geschient wird für die ersten beiden Wochen. Anfänglich besteht ein moderater Schmerz in der Wade (fühlt sich an wie ein Muskelkater), welcher aber in den ersten Wochen wieder vergeht. Nachdem der Schmerz weg ist, sollte die Wadenmuskulatur gestärkt werden, da der Patient sonst in kürzester Zeit viel Kraft verliert. Nach 6-8 Wochen kann der Patient im allgemeinen relativ normal gehen, wobei es aber 8-12 Monate dauern kann bis 90-95% der anfänglichen Muskelkraft erreicht werden. Insgesamt werden ca. 15-20% an Kraft eingebüsst.

Eine Gastrocnemius Release wird meist in Kombination mit anderen Operationen durchgeführt, deshalb haben langsamer verheilende Operationen (bsp. Knochenschnitte, welche heilen müssen) Vorrang.

Mögliche allgemeine Komplikationen

  • Wundheilungsprobleme
  • Infektionen
  • Tiefe Beinvenenthrombose (TVT)
  • Lungenembolie (LE)
  • Asymmetrischer Gang 

Mögliche spezifische Komplikationen

  • Narbenbildung: Bei manchen Patienten kann sich eine prominente Narbe bilden.
  • Verwachsungen mit der Haut: Der Hautschnitt kann mit dem Gewebe, welches über dem Muskel liegt (Faszie) verschmelzen. Dies kann zu Anbinden der Haut führen, wenn sich der Muskel bewegt. Häufige Tiefenmassagen in dieser Region zu Beginn der Heilung können diese Verklebungen (Adhesionen) aufbrechen.
  • Verletzung/Irritation des Suralisnervens: Der Suralisnerv läuft über den verlängerten Muskel (Gastrocnemius Muskel). Obwohl es sehr selten auftritt, so kann dieser Nerv bei der Operation irritiert oder gar verletzt werden. Verletzung oder Irritation kann zu Schmerzen, Taubheit oder einem Brennen an der Aussenseite des Fusses führen.
  • Wadenschwäche: eine anfängliche Schwäche tritt bei allen Patienten auf. Diese ist jedoch klinisch nicht ausgeprägt und meist nach 6-9Monaten postoperativ verschwunden. 5-10% der Patienten haben allenfalls eine Wadenschwäche und –atrophie (Verminderung des Muskelgewebes), welche länger als erwartet persistieren.

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