Zusammenfassung

Die Achillessehnenentzündung ist charakterisiert durch Schmerzen und Schwellungen in der Achillessehne. Sie unterscheidet sich von der Achillessehnen-Ansatz-Entzündung, bei welcher der Schmerz und die Schwellung am Ansatz der Sehne am Fersenbein auftritt. Die Achillessehnenentzündung kommt h��ufig vor bei Patienten zwischen 40 und 50, welche kürzlich ihre körperliche Aktivität gesteigert haben. Die Behandlung ist in der Regel nicht-operativ und beinhaltet eine Phase mit eingeschränkter Aktivität bis die Symptome abgeklungen sind, gefolgt von einer langsamen Steigerung der Aktivität. Die Behandlung besteht aus: Vermeiden von Aktivitäten, welche die Symptome verschlimmern; Verwendung eines Schuhs mit erhöhtem Absatz und steifer Sole, um die Sehne zu entlasten; anti-inflammatorische Medikamente (wenn toleriert); und Übungen um die Achillessehne zu dehnen und zu strecken.

Klinische Präsentation

Die Achillessehnenentzündung ist ein chronischer Zustand, charakterisiert durch Schmerzen und häufig auch Schwellungen der Achillessehne. Die Symptome werden verursacht durch Schwellungen und Entzündung des Gewebes, welches die Sehne umhüllt (Sehnenscheide). Daher kann der Zustand besser beschrieben werden als Achillessehnen-Scheiden-Entzündung (Entzündung der Sehnenscheide der Achillessehne). Die Lokalisation der Symptome ist über der Sehne ca. 4-6cm oberhalb der Ferse, im Gegensatz dazu sind die Symptome der Achillessehnen-Ansatz-Entzündung am Ansatz der Achillessehne am Fersenbein lokalisiert (Abb. 1).

Achillessehnenentzündung

Die Achillessehnenentzündung kommt häufig vor bei Patienten, welche ihr körperliches Aktivitätsniveau steigern, wie etwa bei Beginn eines neuen Trainings oder bei Wiederaufnahme ihrer normalen Aktivität, nach einer anderen Fuss- oder Knöchelverletzung.������������������������������������������Die Zunahme von Schuhen mit abgerundeten Sohlen um die Beinmuskeln zu stärken, hat zu einer Zunahme der Achillessehnenentzündungen geführt, da diese Schuhe dazu neigen die Belastung der Achillessehne zu erhöhen. Die Irritation der Sehnenscheide, welche die Achillessehne umhüllt wird verursacht durch direkten Druck des Schuhschafts, oder von einer Unregelmässigkeit der Achillessehne selbst (z.B. ein Knötchen nach einer Achillessehnenruptur). Daneben wird vermutet, dass durch übermässige Belastung der Achillessehne Mikrorisse entstehen und der Heilungsprozess dieser feinen Risse die Symptome verschlimmern kann. Die Achillessehne selbst ist üblicherweise intakt und das Vorhandensein einer Achillessehnenentz��ndung erhöht nicht das Risiko einer Achillessehnenruptur.

Abb. 1: Typische Lokalisation der Symptome einer Achillessehnenentzündung

 

Klinische Untersuchung

Die klinische Untersuchung zeigt üblicherweise Schmerzempfindlichkeit und eine Schwellung um die Achillessehne. Der Untersucher kann geschwollenes, entzündetes Gewebe entlang der Achillessehne ertasten. Gibt es irgendwelche Begleitverletzungen, ist es wichtig sicherzustellen, dass die Achillessehne intakt ist und keine Achillessehnenruptur vorliegt. Dies wird mit dem „Thompson Test“ überprüft, bei dem der Patient auf seinem Bauch liegt und dabei die Knie um 90° angewinkelt hat. Dann wird der Wadenmuskel etwas zusammengedr������������ckt, ist die Achillessehne intakt, sollte sich der Fuss bewegen.

Bildgebende Untersuchungen

Das Röntgenbild ist in der Regel unauffällig, es sei denn es liegt eine Verkalkung der Achillessehne vor, was nur relativ selten bei älteren Patienten vorkommt. Ein MRI kann das weiche Gewebe detailliert darstellen, ist aber für die initiale Beurteilung einer Achillessehne nur in Ausnahmefällen n��tig, ausser der Arzt möchte eine spezifische Frage beantworten (z.B. ob eine Achillessehnenruptur vorliegt).

Behandlung

Die meisten Patienten mit einer Achillessehnenentzündung können konservativ behandelt werden. Dies beinhaltet normalerweise eine Ruhephase bis die Symptome abgeklungen sind, gefolgt von einer stufenweise Wiederaufnahme der normalen Aktivität. Zur konservativen Therapie gehören:

  • Veränderung der Aktivitätsgewohnheiten

Kurzfristig kann es nötig sein alle belastenden Aktivitäten einzustellen. Neue Trainingsprogramme, neue Schuhe – alle neuen Umstände, welche die Achillessehne belasten ������� sollten überdacht und gestoppt werden, mindestens bis die Symptome abgeklungen sind. Schuhe, welche die Symptome verschlimmern, sollten nicht mehr getragen werden, oder passend modifiziert.

  • Modifikation der Schuhe

Es ist wichtig auf Schuhe zu verzichten, welche die Symptome provozieren oder verschlimmern. Generell ist das Tragen von gut passenden „Komfort Schuhen“ empfehlenswert. Einige Anpassungen an den Schuhen können ebenfalls helfen. Manche Patienten profitieren von einem leichten Absatz (oder einer Einlage). Eine leicht angehobene Ferse kann die Belastung in der Achillessehne verringern. Patienten sollten Schuhe mit abgerundeter Sohle vermeiden (Schuhe bei denen die Ferse tiefer liegt als der Vorfuss), da dies die einwirkende Kraft auf die Achillessehne erhöht und zur Entwicklung einer Achillessehnenentzündung führen kann.

Anti-Inflammatorische Medikamente (NSAIDs)

Anti-Inflammatorische Medikamente (1-3 Mal pro Tag), können kurzfristig helfen die Symptome zu verringern und den Kreis aus Schmerzen und Unwohlsein zu durchbrechen. Trotzdem müssen sie für eine erfolgreiche Langzeitbehandlung üblicherweise mit anderen nicht-operativen Massnahmen kombiniert werden.

Dehnung des Wadens
Ein verspannter Wadenmuskel wird die Kraft, welche auf die Achillessehne einwirkt, erh��hen und kann zu Mikrorissen führen. Ein konstantes Wadendehnungs-Programm ist ein wichtiger Teil der Behandlung.

Beidseitige Fersen-Hebe-����������������������������������������������bungen (Zehenspitzenstand, heel rise)
Wanden-Stärkungsübungen mit vielen Repetitionen bei wenig Wiederstand können viel dazu beitragen die Achillessehne und den Wadenmuskel zu dehnen und zu stärken. Kontrollierte, beidseitige Fersen-Hebe-Übungen, auf der Kante der Treppe ausgeführt (um das Bewegungsausmass im Knöchel zu erhöhen), sind hilfreich. Zu Beginn 5 Sets an 5 Wiederholungen und über einige Wochen können die Übungen auf 10-15 Sets an 15 Repetitionen erhöht werden.

Exzentrische Achillessehnen-Übungen (Stretching, Heel Drop)

Kontrollierte Übungen bei denen die Achillessehne gestreckt wird, während der Wadenmuskel angespannt ist, können die Symptome, die mit einer Achillessehnenentzündung verbunden sind, erheblich verringern. Ein Beispiel f��r diese Art von Übungen ist der „Heel Drop“ bei dem der Patient an der Kante eines Absatzes auf seinen Zehen steht (z.B. auf dem Absatz einer Treppe). Dann senkt der Patient langsam seine Fersen unter den Absatz, was die Achillessehne gleichzeitig streckt und stärkt.��Dies kann mit beiden Beinen gleichzeitig durchgeführt werden (bilateral), oder einseitig, für eine gezieltere Übung. Diese Übung kann sowohl mit gestreckten Knien durchgef��hrt werden (Krafteinwirkung auf den M. Gastrocnemius (Abb. 2)), oder mit gebeugten Knien (Krafteinwirkung auf den M. Soleus). Die Intensität der Übung kann kontinuierlich auf 5 Sets an 10 Wiederholungen erh������ht werden. Die Übungen sollten während der aktiven Behandlungszeit an 5-6 Tagen pro Woche durchgeführt werden, danach weiterhin 3 Mal pro Woche, um das Risiko für das Wiederauftreten der Symptome zu minimieren. Es ist entscheidend, dass diese Übung vorsichtig angegangen wird, da Sie möglicherweise starken Zug auf die Achillessehne ausübt. Patienten sollten sich aufwärmen (z.B. den Blutkreislauf ankurbeln mit 5-10 Minuten auf einem Fitnessvelo), bevor sie mit dieser Übung beginnen

PRP Injektionen

Es gibt Studien die zeigen, dass die Injektion von angereichertem Plasma-Protein (PRP), welches aus dem Blut des Patienten gewonnen wurde, die Heilung stimulieren kann. Ein klarer Beweis, dass PRP-Injektionen effektiver sind als konservative Optionen, oder selbst als Placebo-Behandlungen, steht aber noch aus.

Editiert von Arno Frigg, MD am 25. Marz 2013

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